Testen gehört dazu, um Prozesse zu optimieren. Testen und dann messen, die Messungen dokumentieren, verbessern und erneut testen. Die Zahlen zeigen es dann, ob man auf dem richtigen Weg ist. Auch für mir persönlich mache ich mit dieser methodischen Art und Weise, die Dinge anzugehen, nicht halt.
Zum Glück, denn würde ich mich weniger streng an Zahlen und durch Messen nachvollziehbare Ergebnisse halten, wäre ich zum Beispiel bei der einen oder anderen Möglichkeit, mich selbst zu optimieren, in die Vorurteilsfalle geraten. Hätte gedacht: Was für ein esoterischer Käse. Und es gar nicht erst versucht: Anders zu atmen, wie ich Ihnen in meinem letzten Blog geschrieben habe, als mich die Zahl „500 Prozent Leistungssteigerung“, von der ich gelesen hatte, neugierig machte. Oder mich an einer weiteren Technik, von der ich in diesem Zusammenhang gelesen habe, zu versuchen und in den Flow zu kommen. Eine Technik und Erfahrung, die ich Ihnen empfehlen kann, auch wenn sie mit Augenmaß zu handhaben ist.
Flow ist kein Wellness-Zustand
Was ist Flow?
Flow ist ein mentaler Zustand, in dem Ihnen das, was Sie tun, viel leichter von der Hand geht. Sie sind klarer, kreativer, schneller im Kopf. Manche nennen diesen Zustand auch „Runners High“, weil eben Läufer, wenn sie es richtig machen, diesen Flow erleben. Andere sagen, sie seien im „Tunnel“ und meinen damit eine Art Kanal, in dem sie auf ein höheres Leistungsniveau schießen. Klingt esoterisch, aber es wirkt. Nachweisbar.
Wenn wir unter Stress sind, sind wir eingeschränkt. Dann geht nichts mehr rein, der Kopf ist voll, der Körper ist leer. Wenn Sie in den Flow kommen, dann senken Sie den Stress nicht dadurch, dass weniger Input auf Sie zukommt, sondern Sie erzeugen mehr Volumen, um diesen Input zu verarbeiten, das Gefäß wird größer.
Der Flow-Zyklus
Dafür durchlaufen Sie drei Phasen: Der Flow-Zyklus startet mit Anstrengung. Der Flow entsteht an der Grenze zwischen Fähigkeit und Herausforderung. Sie verlassen Ihre Komfortzone und sind gerade auf die genau richtige Weise in der Überforderung. Sie kämpfen mit einem Thema. Was das für mich bedeutet, in die „optimale Überforderung“ zu gehen, das musste ich auch erst einmal austesten.
Um dann in die zweite Phase zu gehen: das Loslassen. Das ist alles andere als einfach. Aus der Überforderung in die Entspannung zu kommen. Ich habe für uns im Büro extra dafür ein Wahu-Board gekauft, ein Balance-Surfbrett. Und immer wenn ich mit einem Thema kämpfe und nicht weiterkomme, dann stelle ich mich auf das Board. Und es ist nicht einfach, auf diesem Board in die Balance zu kommen. Das ist sensationell. Meine Mitarbeiter erzählen Ihnen das Gleiche: Wenn ich mich aufs Board stelle, ist der Kopf völlig konzentriert darauf, diese Balance zu halten. Ich schalte komplett vom vorherigen Thema ab. Und dann kommt die dritte Phase …
Ich gehe vom Board runter und zurück zum gleichen Thema – und dann komme ich in den Flow rein. Dabei darf mich natürlich nichts ablenken. Handy weg, Mailprogramm aus und Türe zu. Das ist der Hammer, was dann passiert. Der Leistungsgrad ist gigantisch hoch – und mein Stimmungslevel ebenso.
Leistung mit Laune
Diese Erfahrung, in einen optimalen Zustand zu kommen, kann ich nur empfehlen. Mich begeistert es immer wieder aufs Neue, mit welcher Freude die Menschen dabei sind, wenn sie merken, hey, wir können uns verbessern! Eine ganze Mannschaft, die jubelt, weil sie die Umrüstzeit an ihren Maschinen radikal verkürzen konnte, und Applaus von den Kollegen kommt noch oben drauf. Führungskräfte, die mit viel mehr Freude unterwegs sind, weil sie ihre Kompetenzen verbessern konnten und es einfach Spaß macht, wirksamer zu sein. Oder auch, wenn ich sagen kann: „Mensch Weber, das ist eine coole Erfahrung!“
Es macht mir richtig Laune, an meiner Flow-Technik zu arbeiten, mich darin zu üben, die drei Phasen zu durchlaufen und zu erleben, mit welcher Leichtigkeit mehr Leistung möglich ist. Und da ich ja oft unterwegs bin und ich ja schlecht das Wahu-Board mitnehmen kann, vielleicht ja ein Tipp für Sie, habe ich mir einen kleinen, sehr festen Ball besorgt. Den kann ich mit auf Reisen nehmen und auch beim Kunden nutzen. Ein paar Minuten Zeit, um mich mal zurückzuziehen, finden sich meist. Im Hotel geht es auch. Und dann ziehe ich meine Schuhe aus und arbeite mit Kraft mit den Fußsohlen und dem Ball, erst mit dem rechten Fuß, ich suche den Punkt, an dem ich Schmerz spüre. In diesen Schmerz atme ich dann hinein, ich konzentriere mich auf diesen Schmerz, bis der weggeht. Dann das Gleiche mit dem linken Fuß. Insgesamt dauert das vielleicht fünf Minuten, aber danach ist der Kopf völlig klar, ich habe losgelassen und kann ins Thema rein.
Untersuchungen renommierter Institutionen wie der Harvard University zeigen, dass die Kreativität noch Tage nach einem Flow-Zustand erhöht bleibt. Analysen von McKinsey & Company sprechen von massiven Produktivitätssteigerungen bei Führungskräften.
Aber Achtung: Flow hat einen Preis. Nach jedem Flow braucht es Erholung. Wer dies ignoriert, zahlt langfristig mit Erschöpfung. Sie sollten es nicht übertreiben und sich von den positiven Effekten hinreißen lassen. Kein Flow ohne Augenmaß. Wie beim Wahu-Board kommt es auch hierbei auf die Balance an, um langfristig optimal unterwegs zu sein.
Ihr Wilfried Weber
PS: In meinem nächsten Blog lesen Sie, wie dies passiert, dass die interne Bürokratie einem Unternehmen, einer Organisation den Flow nimmt – und wie Sie dieses Problem lösen.
